Sonntag, 21. Dezember 2014

Der Lack ist ab - oder "time to say goodbye"...




Ihr Lieben,

heute, am 4. Advent, habe ich die Tür meines kleinen Ladens das letzte Mal geöffnet (ausgenommen zum ausräumen natürlich ;-) )...

... und ich muss sagen, es fühlt sich gut an! So gut, ich kann es garnicht beschreiben!!!

Schon komisch, noch vor einem Jahr, war es mein grösster Wunsch, einen eigenen, kleinen Laden zu besitzen, in dem ich alles verkaufen kann, was ich so mit meinen Händen schaffe... Frustriert von den 3m Ständen der Hobbykünstler, Kunsthandwerker- und Weihnachtsmärkte, war es für mich ein in Erfüllung gehender Traum, als ich im Januar MEINEN kleinen, schnuckeligen Laden gefunden habe. Die nicht so optimale Lauflage schien mir kein Problem zu sein, wollte ich doch eh nicht 6 Tage die Woche von 9-18 Uhr geöffnet haben... Ich habe diesen Laden das erste Mal betreten unt wusste, "das ist meiner"! und dann ging auch alles hopplahopp. Wir haben gestrichen, Möbel gekauft, das Sortiment um Stoffe erweitert... Und Eröffnung gefeiert! Genau einen Tag, bevor mein Mann für 3 Monate beruflich ins Ausland gegangen ist...

Und auf einmal stand ich alleine da, mit einem Laden, zwei relativ kleinen Kindern und all den Problemen, die eine solche Situation mit sich bringt... Meine Eltern waren mir in dieser Zeit eine riesige Hilfe! Und doch muss ich sagen, ich habe in dieser Zeit einfach nur noch funktioniert. Ich habe Ihre Hilfe so oft in Anspruch genommen wenn ich es brauchte um zu arbeiten, dass ich einfach nicht mehr um Hilfe bitten wollte, um mir mal eine kleine Auszeit zu verschaffen... Und das war fatal!

MIR ging es nicht mehr gut. Auf einmal hatte ich einen Pulsschlag bis zum Hals, habe mich selbst im Kopf sprechen gehört und meine Tage waren oft einfach schwarz :-( Als mein Mann dann wieder da war ist alles über mir zusammengebrochen und ich wusste, so kann es nicht weitergehen. Ich war ständig gereizt und überfordert, konnte mich nicht mehr richtig koordinieren und mir war einfach alles zu viel. Zudem dieses ständige auf und ab, mal hatte ich so viele Aufträge, dass ich Nachts wach wurde und durchgegangen bin, in welcher Reihenfolge ich diese abarbeite und eine Woche später hatte ich nicht so viel zu tun und dann überlegt man, was stelle ich jetzt her, was ich JETZT verkaufen kann und was mir JETZT Geld bringt, denn ein solcher Laden bringt ja auch viele Kosten mit sich. Vielleicht bin ich auch einfach nicht für die Selbständikeit und dieses Auf und Ab's geboren. Oder man hätte das Ganze von Anfang an grösser aufziehen müssen, Kredit aufnehmen und einen grossen Laden/Internetshop einrichten... Wer weiss?

Jedenfalls kann ich jetzt mit gutem Gewissen sagen, ich habe zum richtigen Zeitpunkt die Reissleine gezogen! Mein Schlüsselerlebnis war kurz vor der Einschulung unseres Sohnes! Er sollte an einem Freitag Vormittag eine Kiste in die Schule bringen. Als der Brief kam, war mein erster Gedanke: "Freitag Morgen, Markttag, welche Oma kann mit ihm hingehen?" und dann dachte ich "halt, STOP! DEIN Sohn steht das erstmal in seinem Leben in seinem Klassenzimmer, seiner Leherin gegenüber, da will ICH dabeisein, nicht eine Oma". Da habe ich entschieden, dass muss alles ein Ende haben! Meine Kinder sind nur einmal klein und sie brauchen MICH und ich will für sie da sein!

Zudem hat mir das Akkordnähen von Kindergartentaschen, Turnbeuteln, Mützen, Schals immer weniger Freude bereitet... Ich möchte mich neuen Herausforderungen stellen, Kleidung für mich und meine Kinder nähen und Neues ausprobieren. Ausserdem möchte ich wieder Zeit im Sommer für Freibadbesuche und lauschige Abende zu zweit und vor Weihnachten zum Basteln und Plätzchen backen haben...

Mit dem Entschluss den Laden zu schliessen ging es mir schon besser, lediglich der Gedanke daran, was andere Menschen denken könnten hat mich belastet, und mit dem Tag, wo ich es öffentlich gemacht habe, ging es mir richtig gut! Es war wie ein Befreiungsschlag!

Rückblickend kann ich sagen, ich habe alles richtig gemacht. Ich habe mir einen Traum erfüllt und festgestellt, dass es nicht so traumhaft ist ihn zu leben. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und damit hatte ich kein Hobby mehr (und für andere Hobbys keine Zeit mehr)!

Wer sich nun fragt wie es weitergeht? Ich werde mich erstmal auf mich und meine Familie konzentrieren, Ruhe in unser Leben bringen! Denn DAS ist WICHTIG! Alles andere ergibt sich von selbst... Ich werde Reste verwerten und viel für uns nähen. Und dann werde ich schauen, was das Leben für mich bereit hält...

Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz jemals freiwillig sagen würde, aber ich freue mich darauf erstmal nur "Hausfrau und Mutter" zu sein!

Dies war jetzt mal ein ziemlich langer, persönlicher und für mich auch emotionaler Post, aber es musste mal gesagt/geschrieben werden und mir geht es gut damit und das ist die Hauptsache...

Seid lieb gegrüsst
Regine



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen